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Oval - O (Thrill Jockey)

oval-Ooval-ODer Berliner Markus Popp, der seit 1996 unter dem Namen Oval ein multimedialen Projekt verfolgt, wurde oft unzulänglich als Musiker bezeichnet. Die eigentliche Musik machte aber nur einen kleinen Teil des Ovalspektrums aus, ist gewissermaßen das hörbare Segment darin. Popp war zuvorderst immer Klangforscher, der sich den Ableitungen, Manipulationen, Dekonstruktionen und Prozessen im Referenzsystems Musik widmete. Dabei machte er Herstellungsbedingungen (verwendete Software als Open-Source) transparent oder schaffte in interaktiven Klanginstallationen Dialoge zwischen Raum, Ton und Mensch. Klänge zu erkunden, zu stören und (physisch) erlebbar zu machen, war ein wichtiges Moment bei Oval. Nach nunmehr fast einem Jahrzehnt ist ein neues Album entstanden, das – laut Pressetext bei Thrill Jockey – ganz anders als alles vorhergehende und deshalb quasi ein zweites Debütalbum sei. Mit „O“ - dem Doppelalbum, das der EP „Oh“ folgt - wendet sich Popp von gängigen, früheren Produktionsprinzipien elektronischer Musik ab und betreibt Harmonielehre statt Theorie und Meta-Diskurs. Mit dieser Herangehensweise ist er also vielleicht zum ersten Mal vor allem eines: Musiker. Hatte Popp sich sonst als der Technik untergeordnet betrachtet, ist er jetzt zum vorderen kreativen Element geworden. Das akustische Resultat dieser Mensch-Maschine-Umkehrung wird getragen von Rhythmen und Harmonien, elektroakustischen Riffs und kantig kollidierenden Gitarren-Sounds. Der Fokus ist dabei auf klare, melodische Strukturen und einen kleinen Pool von Sounds gelenkt, die oft zu Fragmenten werden und nur wenige Minuten dauern. So erscheinen die Songs wie zufällige Entwürfe, die dem Album keinen Abbruch tun, sondern im Gegenteil, ihm seine charmante, kopflose Rohheit verleihen. -- Eileen Seifert

:: Oval / O - Thrill Jockey/Rough Trade. 




V.A. - Anthology of Noise & Electronic Music / Z`EV - As/If

anthology vol.6anthology vol.6In gewisser Weise eröffnete damals, im November 2001, An Anthology of Noise & Electronic Music – Volume 1, mit der vorrangigen Betrachtung „verschollener, klassischer, experimenteller“ Komponisten aus dem vergangenen Jahrhundert die Dekade des Noise, die Renaissance des Drone und der elektroakustischen Musik. Jene  dadaistisch anmutende Tonschschleife „Corale“ von Luigi & Antonio Russolo von 1921 stand neben Walter Ruttmans musique-concretem Kammerspiel „Wochenende“ (1930), stand neben den hochfrequenten Micro-Sounds von Ryoji Ikeda in „One Minute“ sowie neben Sonic Youth „Audience“, welches Publikumsgeschnatter nach einem Konzert im Berliner Loft von 1983 verfremdet aufzeichnet. Heute nun sind wir bei Volume 6 des belgischen Labelbetreibers & Kurators Marc Hinant angelangt, auch hier ließe sich die Ausbeute an „gefundenen“ raren sowie unveröffentlichtem Material an nach innen wie nach außen geschichteter Divergenz als fulminant betiteln, obwohl sich erstmals der Großteil des Materials auf den Zeitraum der 2000er Jahre datiert/konzentriert. Was zum Einen den Vorteil stellt, dass die Sammlung zumeist zeitgemäßes, also kontemporäres Material führt, zum Anderen aber den Nachteil bringt, dass sehr viel, vielleicht zu viel Material, ob nun mit oder ohne aufwändiger Live-Software eingespielt, aus dem Computer mit dem Computer stammt. Julie Rousse, Pablo Palacio oder John Wiese seien hierfür genannt, die stellvertretend für ein ganzes Heer die digitale Entwicklung und somit Verbreitung „fremdartiger“ Sounds aus dem Laptop-Labor vorantreiben. Dagegen oder daneben stehen Studio Outtakes von Hijokaidan mit einer wüsten Soundcollage „Untitled“ (1994), oder Tzvi Avnis Stimmen- und Feldaufnahmen von 1964, die Karl-Heinz Stockhausen bei seinen frühen Lectures angewendet haben soll. Stefan Joel Weisser aka Z`EVs siebenminütiges Stück stammt von einem Live-Mitschnitt aus dem Melkweg, Amsterdam von 1980. Z`EV erarbeitet seine Tracks zumeist mittels Metall, Holz, Gong und Drums, benannt als "eine Form der Dekonstruktion des Drone", so auch hier. Naturgemäß steht auch mit Volume 6 das dokumentarisch-historische Moment im Vordergrund, was eine „Seriosität“ erzeugt, die selbst den wohlmeinendsten Hörer und trotz des gutausgebauten as/if - Z`EVas/if - Z`EVSpannungsbogen in der Reihenfolge beider CDs nach einigen Stücken ermüden mag. Komplette und vollständig dokumentierte Live-Mitschnitte der frühen Z`EV Performances veröffentlicht Sub-Rosa separat und zeitgleich mit dem Album „as/if“. Mit „as“ ist ein Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1978 in Los Angeles betitelt, die „if“-Seite stammt aus einer Show in San Francisco von 1982. Hier rattert und rumpelt es wie auf der Schrottverwertungsanlage Montag morgens um sieben, kaum zu glauben dass ein einzelner Mann alleine und intensiv aus diversen Materialien Klang-Kluster durcheinander würfeln kann so wie ein Jongleur barfuß auf dem Ameisenhaufen, aber scheinbar geht’s. Sicherlich enthalten diese beiden Alben zeitgeschichtlich relevantes Material, jedoch bleibt die Ahnung, dass eben jene Historie eine verblichene Epoche reflektiert, die im Anbetracht der beschleunigten Zeitereignisse im Makrokosmos der Gegenwart mehr und mehr als Marginale gewertet werden muss.  

:: An Anthology of Noise & Electronic Music / Vol 6 - Sub Rosa SR290/A-Musik

:: Z`EV /as/if - Sub Rosa SRV229 (Vinyl only)/A-Musik