Magik Markers: What We Do Is Secret

Die Idee zu den Magik Markers enstand 2001 im Keller von Lisas Großeltern in Hartford/Connecticut, erzählt uns Drummer Pete Nolan nach der Show im Frankfurter Club Roxi: Lisa und ich lernten uns zufällig auf Europareise in Budapest kennen, etwa zwei Jahre vor den Markers. Eigentlich haben wir uns musikalisch und kozeptionell kaum verändert in den folgenden 5 Jahren, vielleicht sind wir jetzt eher ein wenig surf-sound-mässiger drauf - Pete lächelt breit wie ein Henker, beide Zahnreihen sind zu sehen. Pete und Lisa, Gitarristin und Vokalistin bei den Markers, hat es seit einem Jahr ins lärmige Brooklyn verschlagen. Inzwischen arbeiten die Beiden als Duo. Gitarristin Leah Quimby ist im Herbst 2006 ausgestiegen.

Photos by Frank Wienand (b/w) & Schlafzeug (color). 

 

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Das Markers Debut I Trust my Guitar, etc. ist 2004 auf dem Label Ecstatic Peace! erschienen. Diese Scheibe besitzt die Macht, beim Abspielen die vorhandene Raumtemperatur unvermuted absacken zu lassen. Frei improvisiete Lo-Fi Kluster wälzen sich wie illuminierende Würmer elektrifiziert aus dem Speaker. Aber wer braucht schon ein fertig komponiertes Liedgut in dieser post-post modernen Zeit? Wer mag sich noch ernsthaft auseinandersetzen mit einer artifiziell anmutenden, ach so bla-bla perfekt konstruierten Songstruktur, die nur den Mainstream bedienen soll - eine durch langwierige Vorarbeit entstandene, pompös und anmassend wirkende Klangarchitektur, deren vorformulierte Harmoniebögen genau der Halbwertszeit eines einzelnen Albumzyklus entsprechen. All diese Werkzeuge werden zukünftig nicht mehr brauchbar sein, sie werden stumpft und überflüssig geworden über Bord gehen oder nur noch aus den den hochgetuneten Blechkarossen bollern, denn wenn die Musik endet, knipst der Letzte das Licht aus. Kennt man ja.

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Steht ihr auf musikalische Reduktion, auf Selbstbeschränkung und Limitierung?

Pete Nolan (leicht verwirrt): Limitierung? Lass mich kurz nachdenken,......ich bin mir nicht so sicher, was du damit meinst....

....nichtfunktionales Equipment, billige Mikrophone, störungsanfällige Verstärker?

Ahm, naja....zum Teil. Eigentlich nur, wenn wir es nicht vermeiden können. Wir stehen ja schon auf einen trashy Sound....cheap disfunctional microphones, yeah! Eines meiner immer favorisierten Module ist die Delay-Unibox Tape-Echo 8-Track, aus diesem Ding holen wir eigentlich zu jeder Zeit einen brauchbaren Ton heraus. Eigentlich nutzen wir die Unibox für die Modulation der Stimme....

...die kleine, weisse Box mit Wackelkontakt auf Elisas Verstärker?

Ja, genau die. Wenn du dir so ein Ding kaufst, und es ist echt billig, dann hast du einen genialen analogen Voice-Echo-Effekt. Ich stehe auf diesen maroden Sound, total, auch wenn es oftmals Probleme damit gibt.....

Benutzt du hier auf Tour dein eigenes Drum-Set?

Nein, das haben wir für die Tour gemietet. Mein eigenes Drum-Set zu Hause in Amerika ist noch viel älter, und das Ding habe ich schon seit der High School. Unsere Ausstattung ist alles andere als Standard, ich weiß, aber eigenlich wollen wir es in jedem Fall vermeiden, nach all den anderen Bands zu klingen, und ich weiß nicht, ob man dies als eine bewußte Selbst-Limitierung auslegen könnte, aber in diesem Falle trifft das wohl zu. Wenn die Instrumente oder Module wie heute mal streiken wollen, oder eben das Mikrophon ausfällt, dann bauen wir das mit ein in unsere Show. Disfunktionalität sollte Option und Bestandteil sein. Leah zum Beispiel besitzt nur zwei Gitarren, die billigere hat sie nun mitgenommen auf Tour. Wer weiß, wie lange die wohl funktionieren wird.....

Benutzt ihr für eure Plattenaufnahmen denn anderes Equipment als zur Show?

Ahhhm,....nein, nicht wirklich. Schon gar nicht für die Live-CDs, die einen großen Teil unter den CD-Rs ausmachen. Meinst du ein bestimmtes Album?

Ja, euer Debut "I trust my Guitar, etc". Mit welchen Mitteln habt ihr zu diesem Sound gefunden?

Das Album "I trust my Guitar, etc." haben wir für Ecstatic Peace vor langer, langer Zeit mal im Studio aufgenommen. Das war 2002, glaube ich. Wir haben nicht nur unser damliges Equipment genutzt, sondern uns noch ein paar Instrumente und Verstärker geliehen. Nach einigen Nachmittagsessions war die Sache für uns erledigt. Es war keine grosse Sache für uns, eben eine oder zwei Sessions mehr.

Moore scheint ja nicht so ganz zufrieden gewesen zu sein mit dem Resultat...wie man hört.

Ahhhm,....ich denke, im originalen Mix haben wir ein paar Probleme beheben können, aber nicht alle....leider. Die Aufnahmebedingungen erwiesen sich als etwas schwierig. Wir waren und sind uns oft selbst nicht sicher, welche Reaktionen kommen werden, inklusive innerhalb der eigenen Band. Aber das Album ist nun mal, was es geworden ist. Ich persönlich ziehe auch unser aktuelles "A Panegyric to the Things I do not understand" auf Gulcher Records vor. Gulcher Records sind in Florida beheimatet, wir haben diese Leute im Support für die Sonic Youth-Tour kennen gelernt. Sehr nette Leute!

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Wie fanden die Markers zusammen?

Leah Quimby: Elisa und ich sind seit Ewigkeiten best-friends. Lisa und Pete hatten sich auf Europa-Reise in Budapest kennengelernt, dort hatten sie beschlossen, gemeinsam zu Lisas Großeltern nach Hartford/Connecticut zu ziehen. Zu Beginn der Markers hatte Pete sich ein kleines Studio im Keller eingerichtet, zunächst begann er dort alleine zu experimentieren. Irgendwann später bat er Lisa dazu, und nach einer Weile begannen die Beiden dann mich zu bearbeiten. Zuerst wollte ich nicht so recht, immerhin beherrsche ich kein Instrument so richtig, aber dann habe ich nachgegeben und wir haben nur so zum Spaß musiziert. Dann fingen wir an, vor Publikum aufzutreten, den Leuten hat es wohl gefallen, und nach und nach wurden uns weitere Shows angeboten. Und nun.......sitzen wir hier (lacht).

.....zum ersten Mal in Deutschland?

Leah: Ja, dies ist unsere erste Show hier. Wir kommen gerade von Belgien, und werden über Frankreich, Italien, Spanien, Portugal nach England zum ATP Festival gehen. Ich bin gerade dabei, mein Politics-Studium in Montreal abzuschließen. Die Entfernung zu Pete und Elisa in New York ist schon recht groß, wo die Beiden nun wohnen. Wir proben nie, eigentlich nur noch auf Tour. Im Moment pendele ich zeitlich zwischen Universität und der Band hin und her. Aber alle Kurse sind nun beendet, also bleibt im Moment für die Band viel Zeit.

Ich habe zwar Pete gerade das Selbe gefragt, aber geht es euch in der Hauptsache um Reduktion, um eine selbstgewählte Limitierung?

Leah: Oh, puuuh! .....mal sehen.... wenn ich live spiele, denke ich nicht so sehr daran, welcher Sound jetzt exakt dabei heraus kommen soll, noch daran, welche Emotionen dieser Sound wohl nach aussen hin bewirken mag, ich suche eher nach einer Verbindung zu mir selbst: "Wie fühlt es sich an?" -----Und ich versuche dann, einfach zu improvisieren.....ich suche spontan meine Gefühle zu erkennen, meine aktuelle Verfassung umzusetzen und über die Gitarre auszudrücken. Aber gleichzeitig will ich auch verstehen und mit einbringen, was im Moment gerade um mich herum passiert. Manchmal denke ich, dass sich mein Spielen im Kopf anders anhört als tatsächlich, ich stelle mir den Klang meiner Gitarre vor wie bei Dick Dale, very surf und tidy, oder wie bei den Kinks. Manch mal aber auch nach Teenage Jesus, weißt du, alles mögliche kann und sollte gleichzeitig passieren, man weiß ja nie, aber wenn ich nur ein einziges Mal wirklich nach Dick Dale klingen würde, wäre ich sehr zufrieden (lacht). Wir versuchen eben, den Moment zu impfen, sich fallen zu lassen und frei zu improvisieren. So intuitiv wie möglich.

Was passiert sonst im Moment musikalisch um euch herum?

Leah: Ich denke, Elisa und Peter sind kennen sich besser aus mit der gegenwärtigen Musikszene als ich, also musst du schon die beiden fragen. Durch den Ort, an dem ich lebe und was ich im Alltag tue ist etwas weniger Platz für ein szeniges Abklopfen, ich fühle mich schon etwas ausserhalb stehend. Ich meine, die Musik an sich wird mich immer begleiten, egal wo ich mich auch aufhalten mag, aber in meinem tagtäglichen Leben gehe ich ins Theater oder begegne älteren Menschen in den Country-Clubs der Umgebung, eher als alles Andere. Ich gehe den modischen Strömungen bewusst aus dem Weg. Ich hoffe jedenfalls, dass sich die Magik Markers eines Tages als so etwas wie ein Original erweisen werden, dass wir nicht zusehr von anderen Bands beeinflusst waren, jedenfalls nicht bewusst, und dass sich doch klar abzeichnet, dass wir von Anfang an unser eigenes Ding durchgezogen haben.

-- text/interview: peter kaemmerer, fotos : frank wienand/gaia bartolini. 

 

Magik Markers: "I Trust My Guitar, etc."
Ecstatic Peace
Magik Markers: "For Sada Jane" LP
Textile Records
Magik Markers: "A Panegyric To The Things I Do Not Understand" CD
Gulcher Records
Magik Markers: "Feel The Crayon" CD-R
Apoasty Recordings

www.magikmarkers.com

 

lisa germany